Das Karpaltunnelsyndrom Symptome, Behandlung & Nachbehandlung

Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um eine Einklemmung des Mittelarmnervens (= Nervus medianus) im Bereich des Handgelenks. Es ist das häufigste Nervenengpasssyndrom des Menschen und kann fast schon als Volkskrankheit bezeichnet werden.

Doz. Kitzinger bei "Bewusst gesund" vom 03.11.2018, ORF2

Der Nervus medianus ist der Mittelarmnerv. Er ist für die Handfunktion besonders wichtig, da er die Hand nicht nur mit Gefühl versorgt, sondern auch für die Greiffunktion der Hand von großer Bedeutung ist. So sorgt der Nervus medianus dafür, dass wir im Daumen sowie im Zeige-, Mittel- und im Bereich der dem Mittelfinger zugewandten Hälfte des Ringfingers Empfindungen wahrnehmen können, weiters steuert er Bewegungen des Daumens. Diese Fülle an Funktionen erklärt, wieso Beeinträchtigungen des Mittelarmnervens zu unterschiedlichen Beschwerden und Funktionseinschränkungen im Bereich der Hand führen können.

Beim Karpaltunnel handelt es sich anatomisch betrachtet um eine Passage am Handgelenk, der einerseits von den Handwurzelknochen begrenzt, andererseits von einem sehr straffen Band, dem sogenannten Retinaculum flexorum, überdacht wird. Der Nervus medianus verläuft gemeinsam mit neun Beugesehnen der Finger durch den Karpaltunnel. Zu einem Karpaltunnelsyndrom kommt es, wenn dauerhafter Druck auf den im Karpaltunnel verlaufenden Nervus medianus ausgelöst wird. Ein Druckschaden des Nervens kann die Folge sein.

Mindestens 5% bis über 10% der erwachsenen Bevoölkerung leiden an einem behandlungsbedürftigen Karpaltunnelsyndrom. Grundsätzlich kann das Karpaltunnelsyndrom in jedem Lebensalter auftreten, die meisten Patienten erkranken jedoch zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Frauen sind rund drei- bis viermal häufiger betroffen als Männer. Bis zu 40% der schwangeren Frauen leiden aufgrund der hormonellen Umstellung und der vermehrten Wassereinlagerung im Gewebe zumindest vorübergehend an einem Karpaltunnelsyndrom. Hier kann jedoch häufig mit nicht-operativen Behandlungsmaßnahmen eine Besserung der Beschwerdesymptomatik erreicht werden.

Symptome

Die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms können sehr unterschiedlich sein. Dennoch sind zwei Symptome klassisch, welche einzeln oder auch gemeinsam auftreten können: Gefühlsstörungen der Hand und nächtliche Schmerzen.

Anfänglich bestehen leichte Missempfindungen in der Hohlhand und in der vom Nervus medianus versorgten Finger, wobei auch nur einzelne Finger betroffen sein können (Abb. 1). Die Gefühlsstörungen sind sehr unterschiedlich und werden mitunter als Taubheits- oder Einschlafgefühl bzw. als ein Kribbeln beschrieben. Gelegentlich wird auch ein stromähnliches Einschießen in die Finger angegeben. Im Anfangsstadium des Karpaltunnelsyndroms treten die Gefühlsstörungen nur sporadisch auf oder wenn man die Hand in die Höhe hält, wie z. B. beim Telefonieren oder Föhnen. In einem späteren Krankheitsstadium sind die Gefühlsstörungen häufig dauerhaft. Im fortgeschrittenen Stadium kann es auch zu einem Verlust der Feinmotorik kommen, d.h. feine Tätigkeiten mit der Hand, wie das Nähen oder das Schließen eines Hemdknopfes, sind kaum noch durchführbar.

Abb. 1: Der Nervus medianus ist für das Gefühl von Daumen, Zeige-, Mittel- und der Innenseite des Ringfingers verantwortlich.
Bei einem Karpaltunnelsyndrom kann es in diesem Bereich zu Gefühlsstörungen kommen, wobei auch nur einzelne Finger betroffen sein können.

Das zweite typische Symptom des Karpaltunnelsyndroms ist ein Einschlafen der Hand und/oder Schmerzen in der Nacht, wodurch die Patienten häufig wach werden. Durch ein Ausschütteln der Hand kann dann eine Schmerzlinderung erzielt werden. Die dauerhaft gestörte Nachtruhe führt jedoch zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.

Unbehandelt kann es passieren, dass die betroffenen Finger dauerhaft gefühllos werden. Zusätzlich kommt es zu einem Muskelschwund im Bereich des Daumenballens, welcher zu einer Bewegungseinschränkung des Daumens führt. Durch den Funktionsverlust der Hand sind Betroffene in ihrer Alltagsarbeit erheblich beeinträchtigt.

Die Behandlung im Karpaltunnel-Zentrum Wien

Am Anfang der Behandlung steht die Diagnostik. Es muss sichergestellt sein, dass Sie tatsächlich an einem Karpaltunnelsyndrom und nicht an einer anderen Erkrankung leiden.

Der wichtigste Hinweis auf ein Karpaltunnelsyndrom sind die typischen Beschwerden des Patienten. Zusätzlich wird bei der Erstvorstellung im Karpaltunnel-Zentrum Wien die Sensibilität der Finger geprüft sowie einige Tests durchgeführt, die ebenfalls Hinweise auf ein Karpaltunnelsyndrom geben können. Um die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms zu objektivieren, wird während der Erstvorstellung im Karpaltunnel-Zentrum Wien eine Untersuchung des Nervus medianus mittels eines hochauflösenden Nerven-Ultraschalls durchgeführt. Diese Untersuchung ist für den Patienten völlig schmerzfrei und zeigt neben der Einengung des Nervens auch mögliche Ursachen für den Platzmangel im Karpalkanal. Ebenso können Auffälligkeiten, z. B. im anatomischen Verlauf des Nervens, schon vor der Operation festgestellt werden und somit die Gefahr für eine Verletzung des Nervens während der Operation deutlich reduziert werden.

Eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung des Nervus medianus sollte, soweit schon vorhanden, zur Erstvorstellung mitgebracht werden.

Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um zu verhindern, dass es zur dauerhaften Schädigung des Nervens kommt. In frühen Stadien kann ein konservativer (also nicht-operativer) Behandlungsversuch unternommen werden. Hierbei ist die einmalige Infiltration von Kortison in den Karpalkanal eine Möglichkeit. Durch die abschwellende Eigenschaft des Kortisons erhofft man sich ein Abschwellen der Beugesehnenscheiden, wodurch es zu einem verbesserten Platzangebot für den Nerven im Karpalkanal kommt. Um den Nervus medianus bei der Infiltration nicht versehentlich mit der Nadel zu verletzen, wird die Infiltration im Karpaltunnel-Zentrum Wien ultraschallgezielt durchgeführt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die Kortison-Infiltration in aller Regel nur vorübergehend eine Verbesserung von wenigen Wochen bringt.

Das Tragen einer Lagerungsschiene für das Handgelenk in der Nacht kann ebenfalls zu einer Linderung der Beschwerden, insbesondere der nächtlichen Schmerzen, beitragen. Durch die fixierte, gerade Stellung des Handgelenks ist der Nervus medianus im Karpalkanal am wenigsten stark eingeengt, so dass sich der Nerv regenerieren kann. Wird die Nachtlagerungsschiene gut toleriert, sollte die Schiene für zumindest 6 Wochen konsequent getragen werden und dann eine neuerliche Kontrolle im Karpaltunnel-Zentrum Wien erfolgen. Sie erhalten von uns einen Verordnungsschein (Krankenkassenleistung) für diese spezielle Schiene.

Bei Fortbestehen oder Zunahme der Beschwerden trotz konservativer Therapie oder wenn das Karpaltunnelsyndrom bei der Erstvorstellung schon zu stark ausgeprägt ist, ist eine Operation notwendig. Die Operation sollte dann zeitnah durchgführt werden, um dauerhafte Funktionsstörungen zu verhindern.

Ziel der Operation ist es, den Nervus medianus aus seiner Einengung zu befreien. Hierfür wird das straffe Handgelenksband (= Retinaculum flexorum) durchtrennt, wodurch der Karpaltunnel geweitet wird und es zu einer sofortigen Druckentlastung vom Nerven kommt (Abb. 2).

Abb. 2: Der Nervus medianus wird im Karpalkanal von innen gegen das straffe Handgelenksband gedrückt.
Bei der Operation wird dieses Handgelenksband durchtrennt, wodurch es zu einer sofortigen Druckentlastung vom Nerven kommt.

Die Operation eines Karpaltunnelsyndroms kann grundsätzlich über verschiedene Operationstechniken - wie über einen offenen oder endoskopischen Zugang - durchgeführt werden. Im Karpaltunnel-Zentrum Wien wird die moderne minimalinvasive Operationstechnik eingesetzt. Bei dieser Operationstechnik werden die Vorteile der offenen und endkoskopischen Technik vereint: der Hautschnitt in der Hohlhand ist mit knapp 1,5 cm sehr kurz und verringert dadurch die Gefahr von späteren Narbenproblemen deutlich (Abb. 3). Gleichzeitig erfolgt die Operation immer unter direkter Sicht auf den Nerven, was die Operationssicherheit erheblich erhöht.

Abb. 3: Bei der minimalinvasiven Operationstechnik wird ein Hautschnitt von nur knapp 1,5 cm Länge in der Hohlhand gesetzt.
Dies verringert die Gefahr von späteren Narbenverwachsungen bei gleichzeitig hoher Sicherheit durch eine direkte Sicht auf den Nerven.

Die Operation wird ambulant im Eingriffsraum des Karpaltunnel-Zentrums Wien oder im Falle einer Zusatzversicherung im Privatspital und in örtlicher Betäubung (Wide Awake) durchgeführt. Wird die Operation im Spital durchgeführt, kann zusätzlich ein Dämmerschlaf gewählt werden. Die reine Operationszeit beträgt durchschnittliche 10 Minuten und wird in entspannter Atmosphäre bei beruhigender Musik durchgeführt. Dem Patienten wird jeder Schritt genau erklärt und angekündigt, so dass Nervosität und Anspannung rasch verschwinden. Ein dünner Schutzverband des Handgelenks nach der Operation stellt sicher, dass die Beweglichkeit der Finger nicht eingeschränkt wird. Auf eine Gipsruhigstellung wird bewusst verzichtet. Der Patient kann und soll die Hand noch am Operationstag wieder weitestgehend „normal“ im Alltag einsetzen.

Für die Operation bedarf es weder einer Operationsfreigabe, noch muss der Patient nüchtern kommen. Auch blutverdünnende Medikamente können in aller Regel weiter eingenommen werden – dies wird jedoch individuell im Rahmen der Operationsaufklärung besprochen.

Die Operation des Karpaltunnelsyndroms wird im Karpaltunnel-Zentrum Wien schmerzfrei nach dem modernen Wide Awake Verfahren, einer besonderen Form der örtlichen Betäubung, durchgeführt. Vor Anwendung des Wide Awake Verfahrens erfolgte die Operation des Karpaltunnesyndroms unter Anlage einer Druckmanschette am Oberarm. Diese stellte sicher, dass blutungsfrei operiert werden kann, gleichzeitig bedeutete diese Blutsperre für den Patienten jedoch während der Operation einen schmerzhaften Druck im Bereich des Arms.

Bei dem Wide Awake Verfahren wird stattdessen dem Betäubungsmittel ein Medikament zugesetzt, wodurch die Blutgefäße vorübergehend (für einige Stunden) verengt werden. Auf diese Weise erhält man während des Eingriffs eine blutungsarme und uneingeschränkte Sicht auf alle wichtigen anatomischen Strukturen. Gleichzeitig kann auf die Oberarmblutsperre verzichtet werden, wodurch die Patienten die Operation schmerzfrei und entspannt erleben können. Der Eingriff wird dadurch schonender und körperlich weniger belastend.

Nachbehandlung

Nach der Operation werden Kontrolltermine im Karpaltunnel-Zentrum Wien vereinbart. Bis zum Fadenzug nach 14 Tagen wird die Wunde mit einem dünnen Verband geschützt. In aller Regel ist nach der Operation keine physikalische Therapie notwendig, kann im Bedarfsfall im Karpaltunnel-Zentrum Wien aber angeboten werden.

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